Hardy Schober ist einer der Eltern, die ein Kind beim Amoklauf von Winnenden verloren haben. Heute ist er beim „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ und dritter Vorsitzender des zugehörigen Fördervereins. Schon während der Woche wurde die Aktion „Familien gegen Killerspiele“ am heutigen Samstag in Stuttgart bekannt, bei der Eltern und Jugendliche ihre „Killerspiele“ in einen Container werfen sollen, um sie anschließend zu verbrennen.

Versteht mich nicht falsch, alle Menschen die einen Angehörigen oder irgendeinen anderen Menschen, der ihnen wichtig ist, bei einer Gewalttat verlieren, haben mein tiefstes Mitgefühl. Aber bei allem Verständnis, dieses Aktionsbündnis geht entschieden zu weit. Nicht nur zeugt der Kampf gegen „Killerspiele, die dazu dienen, Menschen zu ermorden“ von einem absoluten Unverständnis der Sachverhalte, dieser blinde und falsche Aktionismus greift auch auf die völlig falschen Mittel zurück.

Die erwähnte Sammelaktion ist von der Sache her nichts anderes als eine Bücherverbrennung, wie sie einst im Dritten Reich statt fand. Ich musste mir heute schon mehrfach anhören, dass der Vergleich unangebracht ist, aber das ist er in keinster Weise. Versteht mich nicht falsch, natürlich sind traumatisierte Eltern keine Faschisten, denn sie handeln ja aus ganz anderen Gründen, aber der Zweck heiligt einfach nicht die Mittel.  Das öffentliche Sammeln und anschließende Verbrennen von Kunstwerken ist einer Demokratie einfach nicht würdig, auch wenn man sie, aus welchen Gründen auch immer, nicht gutheißt.

Warum habe ich jetzt Herrn Schober eingangs nochmal gesondert erwähnt? Es liegt an einer Stellungsnahme die heute durch die Presse geistert und welche der SWR wohl am ausführlichsten zitert:

„Sie haben unsere Aktion nicht verstanden. Wir gehen nur gegen Killerspiele vor“, kritisierte Hardy Schober vom Aktionsbündnis Winnenden. Der Intellekt der Spieler sei nicht sehr hoch. In Dutzenden von E-Mails war das Amoklauf-Bündnis deswegen angefeindet worden. Schober hatte sich überlegt, für die Aktion einen privaten Sicherheitsdienst zu engagieren, weil es im Bündnis Bedenken wegen möglicher Übergriffe gebe. Es seien mehr als 200 ablehnender Mails eingegangen. Schober vermutet die Absender der Mails in der Computerspiel-Lobby.

Dieses Statement strotzt nur so von Ignoranz und Arroganz. Den Intellekt des Gegenübers in Frage zu stellen ist unterste Schublade. Und auch der Protest kommt nicht von der Lobby, sondern von Menschen, die es nicht akzeptieren wollen schon wieder in diese unsägliche Ecke gestellt zu werden. Dass da einigen der Kragen platzt ist sicher nicht schön, aber auch nicht verwunderlich, wenn man ständig mit solchen Tiefschlägen traktiert wird.

Also lieber Herr Schober, Sie haben unser aller Mitgefühl, aber wenn sie nicht wollen, dass dieses Mitgefühl in Wut umschlägt, verlassen Sie Ihren Holzweg besser gestern als heute.