Heute mal etwas halb-off-topic: Dass Kruzfixe in Klassenzimmern politischer Zündstoff sind, sollte eigentlich bis jetzt jedem klar sein. Dass es sich dabei gleich um eine Menschrechtsfrage handelt ist neu.  Der Europäische Gerichthshof für Menschenrechte urteilte entsprechend gegen die Kruzfixe.  Ich möchte den eigentlichen Streit an dieser Stelle gar nicht angehen. Das wird schon quer über das Netz zur Genüge diskutiert und das brauch ich jetzt nicht auch gleich wieder hier in den Comments. Mir gehts ehrlich gesagt eher um das Drumrum.

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, ich hab kein Problem  mit kruzifixfreien Klassenzimmern, aber hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wirklich so wenig zu tun, dass er sich mit herumhängendem Holz in Klassenzimmern beschäftigen kann? Es mag ja durchaus sein, dass diese Frage die Europäische Konvention der Menschrechte tangiert, aber mal ganz ehrlich: Es gibt einfach dringendere Menschenrechtsprobleme als das. Ein Kreuz in einem Klassenzimmer nervt vielleicht Moslems, Juden, Atheisten oder andere Nicht-Christen, aber da draußen, mitten in Europa, werden Menschen verdachtslos bei der Einreise festgehalten, bespizelt, überwacht und ihnen wird das Recht auf freien Zugang zu Bildung verwehrt. In einer Zeit in der die Unis sprichwörtlich brennen, wäre ich froh überhaupt einen Stuhl in einem Klassenzimmer zu haben, ob dann dort irgendwo ein Kreuz, ein Halbmond oder ein Davidstern hängt, wäre mir ehrlich gesagt zweitrangig.

Ausgangspunkt des Urteils war übrigens ein Urteil eines italienischen Gerichts, dass das Kreuz als Teil der italienischen Geschichte und Kultur deklariert hat. Hier möchte ich vor allem die ganzen Europa- und „Lissabon“-Kritiker mal fragen: Habt ihr kein Problem damit, dass ein nicht demokratisch verfasstestes Gericht einem souveränen Staat vorschreibt was er als Teil seiner Geschichte und Kultur deklarieren darf und was nicht? Also lasst uns Subsidiarität leben und lasst die Italiener selbst entscheiden.