Ich befinde mich in einer Zwickmühle. Eine Zwickmühle, die den meisten von euch wohl eher lächerlich erscheint, mich aber seit Tagen nicht los lässt. Als Anime-Fan der alten Schule gibt es da eine DVD von ufa anime, die ich mir seit Tagen kaufen will, aber seit der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Bundesverband Musikindustrie sich direkt und umfassend für die Vorratsdatenspeicherung stark gemacht haben, habe ich Angst, dass das Geld das ich für die DVD bezahle auch in Lobbyarbeit für bürgerrechtsfeindliche Politik fließt.

Vor diesem Hintergrund kam mir die Gelegenheit genau recht, mal auf den Branchen-Treff zur Internetpiraterie bei Bavaria-Film zu gehen. Natürlich mit Piraten-Shirt und auch ein bisschen Streitlust.

Schon am Eingang traf mich die erste Überaschung: Wo man hinschaut CSU-Logos: Kleine, große, helle, dunke, überall CSU. Gut, man lässt sich davon natürlich nicht abschrecken, also war ich gerade rechtzeitig zur Begrüßungsrede von Herrn Stockinger von der CSU-Filmkommision im Raum. Der hatte auch gleich am Anfang etwas parat, dass er als „orwell’schen Gag“ bezeichnete und das sich ungefähr so anhörte:

Die Autos der Anwesenden wurden von unbekannten aufgebrochen und vom Parkplatz entfernt. Die Polizei ist vor Ort, ermittelt aber nicht, weil die seit der letzten Bundestagswahl mit absoluter Mehrheit regierende Piratenpartei, das vollkommen in Ordnung findet. (sic!)

Auch wenn mich die „absolute Mehrheit“ zu einem spontanen und lauten „Yes!“ hinriss, war nach diesem Vergleich natürlich zu erwarten, dass der typisch konservativ wirkende Herr Stockinger keine besonders innovativen Argumente bringen wird. Und so war es dann auch, der Großteil der restlichen Begrüßung bestand aus reinem Bullshit-Bingo. Der „rechtsfreie Raum“ durfte da natürlich genauso wenig fehlen wie der „Diebstahl geistigen Eigentums“ und „Raubkopien“. Stockinger hat sich nochmal insbesondere für ein „Hadopi“-Gesetz ausgesprochen und betont auch ganz vehement, dass „Datenschutz nicht zur Rechtfertigung von Rechtsverstößen benutzt werden darf“. Das einzige bei dem ich ihm zustimmen konnte, ist dass die Kulturflatrate keine brauchbare Lösung ist, selbst die Begründung war gar nicht mal so schlecht, wenn auch nicht perfekt.

Danach ging die Podiumsdiskussion los. Das heißt, eine Diskussion war es eigentlich gar nicht, wie Moderator Johannes Kreile auch gleich betonte. Es sind alle derselben Meinung und es geht nur darum, dass jeder ein bisschen erzählt, was er so macht. Herr Moskowitsch von Constantin-Film erklärte dann sogleich, dass sie jetzt die totale Abschreckungsstrategie fahren und Massenabmahnungen verschicken. Herr Leonardi von der GVU, der für Thomas Menne eingesprungen war, erklärte den Leuten die technischen Details und sprach sich neben allem was Herr Stockinger schon gesagt hat, gleich auch für eine Sperre von „kino.to“ in bester Zensursula-Manier aus. Letzterer wurde auf dem Diskussionpanel dazu auch gleich mit dem Koalitionsvertrag konfrontiert, der Netzsperren ablehnt und meinte er würde sein bestes tun um das aufzuweichen. Herr Höss von Bavaria-Film erklärte, dass sie ebenfalls die Strategie „Abmahnwelle“ fahren und findet es bestürzend, dass es in der EU tatsächlich Leute gibt die meinen, eine Netzverwertung kann man nicht innerhalb von Territorialgrenzen aufziehen, schon gar nicht in der EU (vgl. Blogeintrag vom 2009-08-28). Der Applaus fiel meist eher verhalten aus.

Schließlich wurde die Diskussion für das Publikum geöffnet. Nach meinem auffälligen Ausruf bei der Begrüßung, wollte ich ja bei der Fragerunde in nichts nachstehen. In Anbetracht des Umfangs sparte ich mir jegliche Grundsatzdebatte und stellte passend zu meiner Gemütsstimmung die Frage, ob man denn Geld durch das Verkaufen von Filmen machen wolle oder durch Abmahnen. Denn alle die besprochenen Maßnahmen bringen allesm nur keine neuen Kunden, die verscheucht man damit nur. Der Raum antwortete mir mit Gelächter. Umso bestürtzter war ich zu sehen, dass es den Leuten nicht im geringsten klar zu sein scheint, dass sie sich gerade ihre eigenen Kunden vergraulen.

Vom Panel kam natürlich keine Antwort und auch auf die Frage von Mitpirat Markus Wutzke, ob der Grund für die angeführten Verluste denn nicht in der allgemeinen Wirtschaftskrise liegen könnte, kam die Anwort, es gehe doch gar nicht darum irgendwelchen Unternehmen Geld in den Rachen zu werfen. Die Antwort klang jedenfalls sehr falsch einstudiert, hätte auch aus einem XCKD-Comic sein können. Aber auch einige gut gestellte Fragen von Nichtpiraten sind vom Podium geflissen ausweichend beantwortet worden.

Persönlicher Höhepunkt des Abends war eine Diskussion mit einem Regisseur und einer ehemaligen Mitarbeiterin von Sony Music, die beide nach dem zähen offiziellen Teil erfrischend offen für Diskussion waren, was mich dazu gebracht hat, die drei Stunden Fahrzeit doch nicht als ganz verschwendet anzusehen.

Fazit des Abends: Constantin-Film und Bavaria-Film sollte man boykottieren und bis die CSU die Piratenpartei überflüssig macht hat Stoibers Junge Union auch noch viel Arbeit vor sich.