Heute habe ich auf der Webseite vom Unispiegel ein Interview gelesen, dass ich eigentlich nur allen ans Herz legen kann. Endlich spricht ein Professorenvertreter mal Tacheles. Sehr gut gefällt mir, dass er die Akkreditierungsagenturen und die verkorkste Bologna-Reform scharf angreift. Wer dem Herrn nicht glauben mag, dem will ich etwas aus meiner eigenen Erfahrung berichten.

Früher als ich studiert hab, einen guten alten Diplomstudiengang, da war alles noch recht einfach. Man hatte seine vier Semester Grundstudium in dem man eigentlich nur Pflichtveranstaltungen über sich ergehen lies und wenn man die hinter sich hatte dann ging es endlich los. Gerade einmal drei Veranstaltungen waren Pflicht und den Rest konnte man sich zusammenstellen wie man wollte, solange man die SWS („Semesterwochendstunden“) zusammengebracht hat. Der Dozent war im Aufbau seiner Veranstaltung weitgehen frei, konnte die Prüfungsform selbst wählen und dank kleiner Fakultät auch mal den Wünschen der Studenten anpassen, wo dies möglich war.

Heute gibt es Vorschriften über Vorschriften. Studienpläne, bei denen gerade mal eine Handvoll Veranstaltungen frei wählbar ist, eine starre Prüfungsordnung, die es unmöglich macht Veranstaltungen mit etwas kleinerem oder größerem Umfang als dem normierten zu bauen, drei vorgegebene Prüfungsarten und Meldezeiträume bei denen 2 Minuten Überschreitung gleich bedeuten, dass alles vorbei ist.

Und bei all dem gibt es die Hüter der Bürokratie: die Akkreditierungsagenturen. Die kommen mit ihren Schablonen und Rastern, werfen die mal blind über den Studiengang drüber und stellen lauter blöde Fragen, mit denen sich jemand der einen Studiengang aufbauen will, eigentlich gar nicht auseinandersetzen möchte. Da wird über jedes Komma in der Prüfungsordnung diskutiert, jeder Credit zu viel oder zu wenig bemängelt und muss ausgebessert werden, auch wenn es für die Studenten nur eine Verschlimmbesserung bedeutet.

An dieser Stelle bremse ich mich jetzt doch meine Anekdoten über diese Organisationen hier breit zu treten, weil ich mir damit wohl den Unmut meines Arbeitgebers zuziehen würde, aber alles in Allem, ein FULLACK an Herrn Kempen.