Ich bin es ja gewöhnt, dass das Postfach überquillt wenn ich mal vier Tage nicht da bin (um genau zu sein, bin ich auch gewohnt, dass das Postfach überquillt, wenn ich da bin), aber diesmal krieg ich es gleich von Seiten der Presse ab. Denn wieder einmal ist es die Genderdebatte ausgebrochen. Ich habe meine Meinung dazu schon einmal kurz zum Ausdruck gebracht, aber ich erlaube mir es einfach nochmal zu tun, bevor ich noch einmal ein paar Worte an die beteiligten dieser Streiterei richten möchte.

Diskriminierung ist sicher kein einfaches Problem, auch heute nicht. Wenn Menschen aufgrund bestimmter Eigenschaften, das Geschlecht ist nur eine davon, benachteiligt werden, dann ist das nichts was man auf die leichte Schulter nehmen sollte. Ich sehe es aber als das völlig falsche Mittel an Diskriminierung mit Diskriminierung zu bekämpfen. Und Quoten oder Sonderregelungen für eine bestimmte Personengruppe, auch wenn sie positiv gemeint sind, sind ebenfalls Diskriminierung. Denn sobald das Geschlecht einer Person eine Rolle spielt, ist ein Sachverhalt diskriminierend. Das muss übrigens nicht immer schlecht sein, manchmal ist Diskriminierung durchaus gewünscht, bei Toiletten zum Beispiel. Aber in der Politik ist sie fehl am Platz.

Ein Streitpunkt bei der Frage ist häufig, die Verwendung des generischen Maskulinums. Ich sag es gleich, ich bin dafür. Sprache ist etwas gewachsenes und in unserer gibt es eben ein generisches Maskulinum. Es auszugleichen führt entweder zu Diskriminierung („Piratinnen und Piraten“, das impliziert, dass es sich um unterschiedliche Personengruppen handelt) oder zu typographischen Todsünden wie Binnen-Kapitälchen, die Texte unleserlich machen. Ich halte es für erstrebenswert von „Piraten“ sprechen zu können, ohne dass auch nur eine Person denkt die Frauen wären damit nicht gemeint (ganz im Geiste dieser South Park Folge). Dieses Gusto vertritt auch der entsprechende Abschnitt in der Satzung, der übrigens nicht sagt, dass sich niemand als Piratin bezeichnen darf, „Ich bin eine Pirat“ klingt mindestens genauso bescheurt wie ein Binnen-Kapitälchen.

Der weitere Streitpunkt in dieser Frage, der Frauenanteil bei den Piraten, ist, zumindest in diesem Zusammenhang, eigentlich gar nicht der Erwähnung wert. Das Argument wir können Frauen nicht begeistern weil wir Genderfragen nicht besetzen, ist mir genauso egal wie wenn mir einer sagt, wir können Arbeitslose nicht begeistern weil in unserem Programm nichts zu Hartz IV steht. Und dass der Frauenanteil bei uns nur geschätzt werden kann hat auch nix damit zu tun, dass uns das irgendwie peinlich ist, sondern dass wir die Datensparsamkeit als Prinzip sehr hochhalten. Wir unterscheiden bei unseren Mitgliedern nichts nach diesem Merkmal und wir werden sicher nicht beginnen es zu erfassen, nur um die Neugier irgendwelcher Journalisten zu befriedigen.

Wir bei den PIRATEN haben den Vorteil, dass unsere Wurzeln in einem Medium liegen, in dem das Geschlecht einer Person im Allgemeinen unerkannt bleibt. An deinem Nickname erkennt niemand deine Chromosomenbestückung. Das Medium ist also in dieser Hinsicht tatsächlich weitgehend frei von Diskriminierung und das ist ein guter Zustand. Dieser Geist ist auch sehr weit verbreitet bei den PIRATEN. Ich sehe diese Form einer vollkommen selbstverständlichen Gleichberechtigung aber nicht nur als Sieg des Netzes, sondern natürlich auch der Frauenrechtsbewegung an sich, die ja auch schon etwas länger anhält. Ich sehe es deswegen und da sind übrigens viele Piratinnen meiner Meinung, als Ziel Politik für Menschen zu machen, nicht für eine bestimmte Gruppe wie etwa für Frauen.

Das ist jetzt meine Meinung und da kann  man anderer sein, dass ist das schöne am Pluralismus. Es gibt auch Leute die sich mit Genderpolitik beschäftigen wollen und das kann man auch bei den PIRATEN. Es gibt die AG Gender, sowie die AG Frauen und die AG Männer. Jetzt gibt es also diese Gruppe namens „Piratinnen“, in der so wie ich das verstanden habe, wohl Lena Simon eine Schlüsselrolle gespielt hat und schon wird sich mal wieder mit harten Bandagen gezofft.

Nun vorweg will ich klipp und klar sagen, es ist ihr gutes Recht. Sie darf spielen mit wem sie will und keiner von euch hat das Recht es ihr zu verbieten oder sie dafür anzugreifen. Ich suche mir die Leute mit denen ich an bestimmten Projekten arbeite auch lieber selber aus, auch in der Piratenpartei. Man kann halt mit dem einen besser mit dem andern weniger gut und niemand muss sich von irgendwem bedrängen lassen. Wenn Lena also der Meinung ist, sie will sich nur mit Piratinnen austauschen, ohne dass wir Kerle da mitreden ist das vollkommen in Ordnung. Wenn ich mir eine rein männliche Piratengruppe aufbauen will um dort schweinische Witze abzulassen, werde ich mir das sicher auch von niemandem verbieten lassen.

Aber! Es gibt da doch einen kleinen aber feinen Unterschied, weshalb ich die Aktion mit den Piratinnen dennoch für falsch halte. Wenn ich innerhalb einer Gruppe bestimmte Interessen besetzen will, und sei es schweinische Witze zu reißen, dann bleibe ich dennoch ein Teil dieser Gruppe und fange nicht an mit Pressemitteilungen um mich zu schmeißen. Wer so nach außen auftritt wie die Piratinnen es gemacht haben, der separiert sich von der eigentlichen Gruppierung und wir sind bei weitem noch nicht so groß, dass wir die Ressourcen für sowas haben. Wenn jeder der in der Partei bestimmte politische Interessen inne hat selbst nach außen auftritt, dann zerstückeln wir uns selbst und werden uns kaputt machen.

Das alles ändert natürlich auch nichts an der Tatsache, dass wir uns selbst eigentlich als transparente Mitmachpartei verstehen und eine Gruppierung die bestimmte Person von vornherein ausschließt diesem Ideal natürlich zuwider läuft. Bisher hatte ich auch den Eindruck, dass sich alle Frauen in der Partei mit dem Zustand der Diskriminierungslosigkeit gut abfinden können. Dass es dennoch welche gibt, die eine Diskriminierung für so notwendig halten, dass  sie sogar bereit sind wichtige Ideale unserer Partei aufzugeben, kann ich eigentlich nur bedauern. Aus diesem Grund hoffe ich auch, dass die Piratinnen sich darauf konzentrieren die Probleme die sie in der Partei sehen innerhalb dieser anzusprechen und nicht einfach nur versuchen mit Interessen, die sie innerhalb der Partei nicht durchsetzen können nach außen auf deren Welle zu reiten. Denn was wir sicher nicht brauchen ist ein Seeheimer Kreis bei den PIRATEN.

PS: Aus aktuellem Anlass fiel das Korrekturlesen kurz aus. Ich bitte Typos zu verzeihen oder mir per Jabber zu melden.