Bild: CC-BY Michael Panse

Die Karten werden gemischt, wer wird der neue Bundespräsident? Bisher geistern vor allem drei Namen durch die Presse: Ursula von der Leyen, Wolfgang Schäuble und Norbert Lammert. Warum Zensursula gar nicht geht, habe ich gestern schon erläutert und kann ansonsten nur Jens Bergers Artikel empfehlen. Dass Schäuble nach Spendenaffäre und Überwachungspolitik natürlich ebenso rausfällt, muss ich denke ich nicht weiter erwähnen. Lammert mag von den dreien noch der beste sein, aber für den Bundespräsidenten kann man nicht das geringste Übel wählen. Im Netz geistert dagegen nun ein anderer Name umher: Hans-Jürgen Papier. Der ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts wäre eine vortreffliche Wahl, wie ich mit den folgenden fünf Gründen erläutern will.

1. Er hat das richtige Parteibuch

Seien wir ehrlich: Die Wahl des Bundespräsidenten geht auch nicht ganz ohne Parteipolitik. Schwarz-Gelb wird sich hüten, sich in der Bundesversammlung zu zerstreiten oder gar einen Peer Steinbrück oder Joschka Fischer zu wählen. Es muss schon jemand aus der eigenen Mitte sein. Und hier war auch ich von Papier überzeugt, denn er ist, was ich bisher nicht wusste, tatsächlich Mitglied der CSU. Das macht ihn für die derzeitige Regierung auf jeden Fall wählbar.

2. Er genießt den Respekt aller Parteien

Nicht nur bei seiner eigenen Partei bzw. deren Koalitionspartnern genießt Papier Respekt, auch im restlichen politischen Spektrum ist er alles andere als unbeliebt. Er hat zwar öfter mal Tacheles geredet, aber nie die politische Konfrontation gesucht. Die einzige Schelte die ich jemals von einem Politiker in Richtung Papier gelesen habe, war von Schäuble, der sich darüber beschwert hat, dass das BVerfG seine aberwitzigen Überwachungsgesetze kassiert hat. Selbst bei der Piratenpartei kann sich Papier nach meinem Dafürhalten einer großen Unterstützung sicher sein. Er könnte der Kandidat mit der breiten Zustimmung sein, den Merkel – zumindest offiziell – gerne hätte.

3. Er ist kein Verlust für unsere Sache

Als Verfassungsrichter ist Papier im Ruhestand. Er ist derzeit in keiner Position, in der er aus unserer Sicht dringend benötigt würde, anders als z.B. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die von vielen Leuten im Netz gerne genannt wird. Wir können uns nicht leisten die einzige akzeptable Ministerin einfach wegzubefördern, aber ein verdienter Verfassungsrichter kann immer noch Bundespräsident werden.

4. Er hinterlässt kein Loch im Kabinett

Im Gegensatz zur oben genannten und zwei der vorgeschlagenen bleibt kein leerer Ministerposten zurück. Versteht mich nicht falsch, ich hätte nichts dagegen Zensursula oder Schäuble abserviert zu sehen, aber es sollte doch zumindest für die Kanzlerin, die ihre schwarz-gelbes Stühlerücken mal unter Kontrolle bringen müsste, ein Argument sein.

5. Er ist unabhängig

Papier hat sich nie gescheut der Politik auch mal öffentlich Paroli zu bieten. Dabei hat er sich allerdings nie in parteipolitisches Gezerre verheddert, sondern hat immer Klartext geredet. Er hat also genau das getan, was wir von einem Bundespräsidenten erwarten würden. Natürlich hat Merkel mit ihm im Gegensatz zu von der Leyen keine Sockenpuppe in Bellevue, aber das ist mir eigentlich ganz recht.