Der Spruch „Wir suchen Gegner, keine Opfer“ könnte bei Julian Assagne auf der Fußmatte stehen. Zum zweiten Mal hat sich die Whistleblowerplattform Wikileaks mit niemand geringerem als mit der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika angelegt. Nach dem brisanten Video, das die Tötung von Zivilisten durch einen US-Helikopter im Irak zeigt, sind diesmal über 90.000 als geheim eingestufte Schriftstücke an die Öffentlichkeit geraten.

In Washington will das natürlich niemadem so recht gefallen. Das Haupargument ist, dass durch die Veröffentlichung der Dokumente die Sicherheit der Streitkräfte und anderen Personen in der Krisenregion gefährdet ist. Die Regierung gibt sich also als Beschützer, aber hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Seien wir mal ehrlich, niemanden von uns interessieren Truppenbewegungen oder ähnliche militärisch relevante Informationen. Die werden schlicht und ergreifend als „Kollateralschaden“ (man erlaube mir diesen Seitenhieb des schwarzen Humors) mitveröffentlicht. Wikileaks geht es darum Beweise für unsauber ablaufende Militäraktionen und heruntergespielte Sicherheitsrisiken in Afghanistan zu bringen oder um genauer zu sein, Beweise dafür, dass diese der Regierung der USA und ihrer Verbündeten durchaus bekannt sind.

Die berechtigte Frage ist nun also: Warum erzählen die uns das nicht? Die Antwort: um über den Informationsfluss die öffentliche Meinung über den Afghanistaneinsatz zu manipulieren. Es handelt sich also um nichts anderes als klassische Kriegspropaganda, von der man eigentlich meinen sollte, sie sollte im 21. Jahrhundert so langsam Geschichte werden.

Wenn also die Verantwortlichen die Öffentlichkeit mit ehrlichen Informationen über die allgemeine Lage versorgen würden, dann müssten auch keine Whistleblower aktiv werden. Deren Absicht ist nämlich sicher nicht die Sicherheitslage der Soldaten in Afghanistan zu gefährden. Statt dessen lügt die Regierung der Bevölkerung offen ins Gesicht und schiebt Wikileaks den schwarzen Peter zu. Ich frage mich, wer da wirklich der Böse ist.