Man erlaube mir, einen kleinen Gedankengang zum Mittwoch zu virtuellem Papier zu bringen – inspiriert vom Artikel „Die Stunde der Laien“ von Ludwig Hasler. Er beschreibt auf den drei Seiten, durch die man sich in diesem Text klickt, sehr schön, welche Chancen das Internet für die Emanzipation der Laien bringt. Und diese Chancen sind, wie jedem der sich auf meinen Blog verirrt wohl klar sein dürfte, tatsächlich beinahe berauschend. Was früher die Abstimmung mit den Füßen war, ist heute die Abstimmung mit der Maus. Was diese Chancen angeht, so kann ich den Artikel wirklich nur wärmstens empfehlen.

Aber ich wäre ja nicht der der ich bin, wenn ich nicht ein Haar in der Suppe finden würde. Während ich – ich betone es noch einmal – die Chancen der Laien im Netz nicht nur befürworte, sondern explizit ausbauen und unterstützen will, hat auch diese Medaille ihre Kehrseite. Denn auch wenn die meisten Kulturpessimisten, die mit dem Internet schon den Untergang des Abendlandes beschwören, maßlos übertreiben, hat ihre Kritik doch zumindest einen wahren Krümel im Kern. Denn leider verzerrt sich das Lob an den Laien ab und zu auch zur Ignoranz des Fachwissens.

Ein Beispiel, dass ich an dieser Stelle gerne zitieren möchte, ist das Video „Fabian – gib mir die Welt +5%„. Es erklärt in einfachen Sätzen, was an unserem Geldsystem falsch ist und dass wir alle quasi davon verarscht werden, oder? Weit gefehlt! Das was da drin behauptet wird ist absoluter Mumpitz, wie einem jeder Student eines auch nur ein bisschen ökonomisch angehauchten Studiengangs wohl nach dem Grundstudium erklären kann. Allein die Tatsache, dass der Zentralbanküberschuss an den Staat geht, hebelt die Theorien, die in diesem Video gesponnen werden, aus. Eine anständige Erklärung des Geldsystems fehlt natürlich vollkommen.

Das Ganze ist im Endeffekt nichts anderes als aufgewärmte Nazi-Propaganda, was die Liste der Unterstützer schon erahnen lässt. Das interessante ist allerdings, dass mir gerade von internetaffinen Leuten häufig dieses Video als die Quelle für die Probleme in unserem Geldsystem propagiert wird, gerade von Leuten, die sich selbst dem eher linken Spektrum zuordnen. Wenn man die Hintergründe erläutert, wird einem häufig vorgeworfen, man wolle echte Probleme mit der Nazi-Keule unter den Teppich kehren. Will man stattdessen damit argumentieren, dass einem jedes seriöse Lehrbuch was anderes erklärt, wird die Wissenschaft als von „Pseudo-Experten“ durchzogen deklariert. Dass die Leute, die man selbst als Inspiration hat, wissenschaftliche Außenseiter sind, bestärkt den Gegenüber sogar anstatt ihn stutzig zu machen.

Sicher ist dieses Beispiel jetzt ein vergleichsweise extremer Fall und die Verschwörungstheoretiker bleiben selbst im Netz meist zum Glück unter sich. Aber dennoch kommt der Laie besonders im Netz und gerade in komplexeren Sachverhalten auch gerne mal zu verkürzten Schlüssen. So hat vielleicht auch der Dunning-Kruger-Effekt, der ja selbst schon etwas leicht skurriles hat, doch so seinen wahren Kern.

Schlussendlich kann man sagen, dass die Vorteile der neuen Laienfreiheit sicher phänomenal sind und wir sie so gut auskosten sollten wie möglich. Aber auch dabei sollten wir das mühsam über die Jahre angesammelte Wissen nicht einfach verschmähen, sondern wertschätzen und weiterverbreiten. Denn auch das ist eine Chance des Internets, die wir auf keinen Fall ungenutzt lassen dürfen.