Ich habe keinen Fernseher. Ich halte dieses Medium für sowas von anachronistisch, dass es eigentlich schon längst dort sein sollte, wo Floppys und MCs schon lange sind. Ich sehe es nicht ein, mir von irgendwem vorschreiben zu lassen, wann ich welche Inhalte sehen kann. Also entweder bietet man mir die Inhalte zeitsouverän an oder ich verzichte darauf. Der Fairness halber muss man dazu sagen, dass das Fernsehen noch einen kleinen Restnutzen hat. Eine Live-Übertragung, die sowieso nur zeitabhängig gesendet werden kann, wird per TV tatsächlich noch effizienter übertragen. Die Fußball-WM hat es gezeigt.

Jetzt steht ein weiteres großes Live-TV-Event ins Haus: Am Freitag ehelicht ein angel-sächsischer Prinz seine Angebetete und auch das deutsche Fernsehen ist live dabei. Bei den privaten Sendern sind Sat.1 und RTL mit sechs bzw. fünf-einhalb Stunden Übertragung dabei. Das ist verständlich, viele Deutsche sehnen sich nach dem königlichen Glamour. Teils ist das so sehr ausgeprägt, dass sie einen Möchtegernbaron wegen vorsätzlichem und offensichtlichem Betrug bejubeln. Es ist also sicher viel Quote zu erwarten, von der die beiden großen privaten Sendeanstalten sicher gern eine Scheibe ab hätten. Das ist ihr Geschäftsmodell.

Ein Blick in die Programmzeitschrift offenbart allerdings, dass nicht nur zwei private Sender 6 Stunden live übertragen, auch die beiden großen öffentlich-rechtlichen – Das Erste und das ZDF – tun dies.

Der ÖR ist ja so sehr am Puls der Zeit, dass er sogar Sendezeiten für sein Webangebt hat, aber denken wir trotzdem nochmal an die Diskussion über die Rundfunkgebühren. Das Hauptargument dafür, dass wir uns einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk leisten, ist ja, dass wir Sender brauchen, die unabhängig von politischen Interessen und abseits von Quotengeilheit Programm machen. Dass es mit der politischen Unabhängigkeit nicht weit her ist, weiß man spätestens seitdem Intendanten auf Zuruf von Ministerpräsidenten ausgehebelt werden. Dass ein freies, anonymes und ungefiltertes Internet dieser Aufgabe um Längen besser gerecht wird, als es der ÖR jemals konnte und jemals können wird, dürfte langsam auch klar sein.

Aber zurück zum vorliegenden Fall. Die erste Frage die sich auftut ist, wieso der ÖR überhaupt von etwas berichten muss, um das sich schon zwei große, bundesweit empfangbare private Sender prügeln. Sowas kennen wir ja schon von der Fußball-WM. Aber der ÖR wäre nicht der ÖR, wenn er auf den üblichen Wahnsinn nicht noch eins drauf setzen könnte. Diesmal übertragen ARD und ZDF beide unabhängig voneinander gleichzeitig das  selbe Event. Das ZDF hat dies letztens mit dem besonders hohen journalistischen Wert begründet, eine besonders bescheuerte Umschreibung für »Wir wollen auch was von der Quote abhaben«, denn im Gegensatz zur Fußball-WM, kann man hier ja die Spiele nicht aufteilen.

Politische Unabhängigkeit ist also nicht gegeben, Quotengeilheit dafür umso mehr. Der ÖR beweist gerade selbst seine eigene Überflüssigkeit. Und immer dran denken: Dieser Wahnsinn ist möglich dank Ihrer Gebühren.