Als herauskam, dass die Dissertation von Karl-Theodor zu Guttenberg nicht viel mehr war, als eine einzige große Plagiats-Collage, da war die Diskussion groß und auch wir Piraten haben uns deutlich abgegrenzt. Die Staatsanwaltschaft Hof hat das Verfahren nun gegen Auflage einer Geldzahlung von 20000 € eingstellt. Dabei bleibt ein fader Nachgeschmack.

Die Staatsanwaltschaft hat laut Presseberichten 23 strafrechtlich relevante Urheberrechtsverstöße in Guttenbergs Dissertation festgestellt. Damit dürfte auch dem letzten Realitätsverweigerer klar sein, dass wir keine technische Debatte über das korrekte Setzen von Fußnoten geführt haben, sondern dass es um handfesten Betrug ging. Dennoch scheint die Einstellung des Verfahrens bei vielen auf wenig Gegenliebe zu stoßen. Denn es kommt einem schon seltsam vor, dass die die Filmindustrie offen mit »Raubkopierer werden […] mit Freiheitsentzug bis zu 5 Jahren bestraft« drohen darf und Gutti hier mit einer (relativ zu seinem Vermögen) niedrigen Geldauflage davon kommt.

Den Fakten-Check überlebt dieser Gedankengang genauso wenig wie die Kampagne der Filmindustrie. Denn wir müssen ehrlich sein: Die wenigsten Raubmordkopierer landen vor dem Strafrichter. In solchen Fällen stellten die Staatsanwaltschaften in der Vergangenheit die Verfahren meist aus mangelndem öffentlichen Interesse, mangelndem Interesse der Rechteinhaber oder mangelnder wirtschaftlicher Relevanz ein (heute gibt es den zivilrechtlichen Auskunftsanspruch). »Raubkopierer sind Verbrecher« stimmt also juristisch gesehen gar nicht, allenfalls könnte es heißen »Unrechtmäßige Kopierer sind Vergeher«, was natürlich nicht ganz so plakativ klingt.

Das also die Staatsanwaltschaft Hof auch das Strafverfahren gegen Guttenberg einstellt, kann man ihr eigentlich jetzt gar nicht mal anlasten. Und dennoch ist die Sache bei Filesharern anders gelagert. Denn auch wenn Filesharer kaum mit Strafverfolgung zu rechnen haben, kriegen sie ihr Fett meist umso dicker im zivilrechtlichen Bereich weg. Schadensersatz im dreistelligen Bereich pro Musiktitel und hohe Gebühren bei Abmahnungen können sich schnell zu extrem harten finanziellen Einschnitten entwickeln. Gerichte und Politik reagieren nur zögerlich.

Und so haben wir den interessanten Fall, dass ein öffentlich überführter Großplagiator, der sich per Betrug einen akademischen Grad erschlichen hat, quasi mit einer Portozahlung davon kommt, während Alltagsfilesharer um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten müssen. Hier ist eine Schieflage im Gesetz und die muss beseitigt werden. Dazu muss man nicht einmal Guttenberg in den Knast stecken, sondern einfach nur endlich Filesharing legalisieren.