Dieser Artikel ist subjektiv und erfahrungsgefärbt. Bitte erwartet keine Objetivität sondern nehmt zur Kenntnis, dass es lediglich ein Debattenbeitrag einer einzelnen Person ist, der keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt.

Ist die das Begriff der Friendzone frauenfeindlich? Dieser Frage stellt Paula in ihrem Blog. Dabei fällt ihr Ergebnis als ein klares „ja“ aus. Doch ist ein solcher Schluss gerechtfertigt? Ich schätze die Autorin anhand ihres Blog als eine ein, die dem klassischen Feminismus durchaus positiv gegenüber steht. Zumindest die Tagwolke und das Vokabular des Artikels erwecken bei mir diesen Eindruck. Und hier glaube ich, wird ihr Schluss ihren eigenen Zielen nicht gerecht.

Vielleicht nochmal von Anfang: Was ist überhaupt die Friendzone. Unter diesem Phänomen wird eine Situation verstanden, in der ein Mann – typischerweise wenig erfahren in Beziehungsdingen – romantische Gefühle für eine Frau hat, diese aber lediglich eine platonische Beziehung will. Aus dieser Situation entwickelt sich die Beziehung typischerweise nicht mehr weiter, insbesondere bleiben die romantischen Gefühle des Mannes unerwidert. Der Mann »sitzt in der Friendzone fest«. Nun steht der Mann vor zwei Optionen: Entweder er akzeptiert die freundschaftliche Beziehung oder er bricht sie ganz ab. Da es aber alles andere als einfach ist eine Person, die man liebt aus seinem Leben zu streichen, landet er häufig bei ersterem.

Soweit das Klischee. Denn wir müssen ehrlich sein, das ganze ist Teil eines größeren Problems. Auch gibt es solche Fälle und ähnliche genau umgekehrt und/oder in nicht-hetero-Beziehungen. Im sozialen Umfeld von uns Nerds – und als solcher will ich heute schreiben – ist dennoch der geschilderte Fall wohl der häufigste. Zumindest unter einigen Piraten haben wir rausgefunden, dass der Stereotyp vom Beziehungstolpatsch Nerd nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Ich kann nur aus meiner eigenen subjektiven Sicht sprechen. Aus diesem Grund wollen wir uns hier einfach mal auf den geschilderten »Mann-liebt-Frau«-Sachverhalt konzentrieren, die andern mögen es mir verzeihen.

Eigentlich klingt die Friendzone wie das übliche menschliche Gefühlschaos. Auf der sachlichen Ebene scheint alles klar, der kleinste gemeinsame Nenner ist die Freundschaft und das macht man dann. Leider spielt die emotionale Ebene mit der sachlichen einfach nicht mit. Der Mann kann seine Gefühle nicht einfach per Knopfdruck von sexuell auf platonisch umschalten. Und so ist es kaum möglich, dass eine klassische, »echte« Freundschaft entsteht.

Stattdessen befindet sich die Frau in einer Machtposition, der Mann in einer (emotionalen) Abhängigkeitsposition. Bewusst oder unbewusst nutzt die Frau den Mann dabei häufig aus. Die Frau sieht dies meist nicht. Denn auch wenn es normal ist sich bei einem echten platonischen Freund darüber auszuheulen, wie doof der aktuelle Partner ist, trifft dies einen Friendzone-Freund tief ins Mark. Auch wenn die Frau einen echten Freund auch mit Hundeblick, Kopfkraulen und Umarmungen zu einem Gefallen überredet, wirkt dies auf einen Friendzone-Freund ganz anders. Auf diese Weise bringt die Frau den Mann dazu Dinge zu tun, die er vielleicht für einen Freund nicht tun würde. Schlimmer noch, die gemischten Signale bringen den Gefühlshaushalt endgültig durcheinander. Der Mann bildet sich Chancen auf eine sexuelle Beziehung ein. Er glaubt der Friendzone entkommen zu können, was aber meist ein Irrglaube ist.

Dies ist kein haltbarer Zustand, die Spannung in der Beziehung wird irgendwann zu groß werden. Und spätestens wenn der Faden reißt, wird die Situation auch für die Frau nicht sonderlich angenehm. Ich verstehe, dass eine Frau sich nicht sonderlich gut dabei fühlt, wenn bei ihr der Eindruck entsteht, der Mann verlangt Sex als Gegenleistung für seine Gefälligkeiten. Wer das tut, der verlangt im wesentlichen nicht anderes als Prostitution von der Frau[1].

Und deswegen will ich hier noch einmal klar stellen: Die Frau ist keine böse Hexe, die den Mann einfach nur zu ihrem eigenen Vorteil ausblutet. Wie Julia richtig feststellt ist sie auch das Opfer von Rollenbildern und Klischees.

Dennoch stellt sich die Frage wie man mit dem Friendzone-Phänomen umgehen soll. Wie bei jedem Missstand gibt es hier zwei Ansätze: sich anpassen oder den Zustand bekämpfen. In meinem Nerdleben habe ich fast immer die erste Variante gewählt und so ist auch mein Umgang mit dem Problem heute. Ich sage meinen Freunden, die in der Friendzone festhängen klipp und klar, dass sie sich keine Hoffnungen machen brauchen, dass sie sich nicht ausnutzen lassen sollen und dass sie selbstin der Hand haben die Situation zu ändern, wenn sie nur das machen was nötig ist. Von meinem persönlichen Standpunkt aus, kann ich also der Autorin des eingangs verlinkten Blogs nur zustimmen.

Wenn wir nun aber davon ausgehen, dass sich die Autorin als Feministin sieht (sie verwendet zumindest den feministischen Kampfbegriff „Mansplaining“) sieht die Sache ganz anders aus. Der Feminismus™ hat sich nicht zum Ziel gesetzt sich den Missständen anzupassen, sondern sie zu bekämpfen. Auf den Hinweis Frauen sollen doch aggressiver verhandeln, wenn sie mehr Geld wollen, kommt die Forderung, dass sie auch mit defensivem Verhalten genauso viel verdienen müssen. Auf den Hinweis Frauen sollen sich nicht aufreizend anziehen um nicht vergewaltigt zu werden (so haltlos der auch ist), kommt die Forderung man solle gefälligst Vergewaltigung bekämpfen.

Auch wird von Feministen immer wieder betont, dass niemand den Betroffenen von Missständen ihre Gefühle absprechen kann, sondern dass die ein Recht haben anerkannt zu werden. Wenn ich beim Reißen sexisitischer Witze die Gefühle von Frauen respektieren soll, wieso haben dann Männer in der Friendzone kein Anrecht darauf, dass ihre Gefühle respektiert werden?

Was also soll die Frau machen um den klassischen feministischen Idealen gerecht zu werden? Sollen sie sich ihren Friendzone-Freunden sexuell zur Verfügung stellen? Natürlich nicht. Es muss auch keine Frau auf Freundschaften zu Männern verzichten und es erwartet auch niemand, dass sie plötzlich Gedanken lesen können (auch wenn einige Feministinnen dies anscheinend von Männern erwarten). Alles was ihr tun müsst liebe Frauen ist folgedes: Wenn ihr glaubt ein platonischer Freund ist in euch verliebt, wenn ihr es vielleicht sogar wisst weil er es euch gestanden hat, dann akzeptiert diese Gefühle. Wer Rücksicht auf die eigenen Gefühle verlangt, muss auch Rücksicht auf andere nehmen. Und das heißt hier unter anderen: Kotzt euch nicht bei ihm über euren Freund/Ehemann/One-Night-Stand aus, flirtet nicht mit ihm, wenn ihr was von ihm wollt und kommuniziert euer nein klar und deutlich und verklausuliert es bitte nicht in Sätzen wie „Du bist zu gut für mich“ oder „Du bist ein perfekter Mann, aber ich steh nunmal auf Arschlöcher“, redet euch nicht mit Sprüchen wie „Ich bin noch nicht bereit für eine Beziehung“ heraus und achtet darauf danach nichts zu kommunizieren was den Eindruck erwecken könnte ihr hättet eure Meinung geändert. Ihr müsst dabei nicht perfekt sein, aber versucht es wenigstens. Mehr verlangt niemand. Und das gilt übrigens auch für alle Männer und sonstigen Geschlechter da draußen.


[1] Nichts gegen Prosituierte.