Für meine Stammleser: Ich wiederhole mich jetzt. Ich wiederhole mich, weil sich mal wieder ein »Journalist« wiederholt, indem er anstatt sich mit der Position der Piratenpartei zum Urheberrecht ernsthaft auseinanderzusetzen mal wieder ins »OMG!!! Die Piraten sind die Uber-Kostenlospartei!!!«-Horn stößt. Ich wiederhole mich, weil mir einfach das Herz blutet, wenn ich ein paar der Aussagen unerwidert stehen lasse.

Das Urheberrecht ist als Idee jetzt schon weit über 200 Jahre alt.

Richtig, Zeit für ein Update.

Es dient dazu, die Kunst zu schützen vor dem Plagiat. Ohne Urheberrecht hätte aus Guttenberg kein Täter werden können.

Das ist falsch. Man braucht überhaupt kein Urheberrecht um Plagiate zu verurteilen, da tut es eigentlich ganz einfach der Straftatbestand des Betruges. Ein Plagiat ist was anderes als eine Kopie. Wir Piraten mögen keine Plagiate und deswegen ist Guttenberg auch kein Pirat.

Vielleicht kann, muss man feststellen: Ohne Urheberrecht keine Kunst.

Wer sagt ohne Urheberrecht gibt es keine Kunst, sagt auch ohne Eherecht gibt es keine Liebe. Große Kunstwerke, enstanden bereits vor dem Urheberrecht. 1837 gab es das erste deutsche Urheberrechtsgesetz (Preußen/Norddeutscher Bund). Da waren Goethe, Schiller und Beethoven schon unter der Erde und mehrere große deutsche Kunstepochen vorbei. Versteht mich nicht falsch, das mit dem Urheberrecht ist im Grunde eine tolle Sache, aber wer behauptet ohne Urheberrecht gäbe es keine Kunst, der lügt schlicht und ergreifend.

Die Abwesenheit von Kunst heißt RTL II. Die bloße Bestätigung des Bestellten. Die Abwesenheit von Kunst, so hat es Julia Franck der Süddeutschen Zeitung gesagt, führe in die Barbarei.

Ein klassischer Vorwurf an die Piraten ist ja, dass mit unserer Urheberrechtspolitik die Nischenkunst an den Rand gedrängt wird und fast nur stumpfer Einheitsbrei produziert wird. Kurzer Realitätscheck: Auch mit dem heutigen Urheberrecht wird fast nur stumpfer Einheitsbrei produziert und Nischenkunst ist – wer hätte das gedacht – in einer Nische. Nischenkunst zu fördern ist eine gute Sache, aber ein Problem der Kulturpolitik, nicht der Urheberrechtspolitik (auch wenn es natürlich Schnittmengen gibt). Das Internet ist für die Nischenkunst auf jeden Fall ein Gewinn, nicht trotz, sondern gerade wegen des freien Tauschs.

Hier beende ich mal meinen Kommentar, es wird nicht besser. Konkretes Eingehen auf die Position der Piraten gibts im Rest des Artikels zumindest nirgends, er bleibt oberflächlich. Vielleicht hätte sich Ulrich Reitz da lieber beim Kollegen Thomas Mader was abschauen sollen. Der macht zwar auch keinen Hehl draus da noch etwas ambivalent zu sein und handelt die ganze Urheberrechtssache auch stark verkürzt ab, aber trifft es in der Kürze gar nicht mal so falsch.