Der Stein des Anstoßes: Das Titelblatt der aktuellen »Titanic«

Die Titanic hat mit ihrem provokanten Papst-Titelblatt mal wieder ihre Zähne gezeigt. Nach der einstweiligen Verfügung, die der Titanic das Verbreiten des Bildes verbietet, gibt es auch im Internet eine große Debatte. Darf Satire alles? Wo sind ihre Grenzen? Meiner persönlichen Meinung nach, sollten die Grenzen der Satire sehr weit gesteckt sein und das Titanic-Titelblatt hat diesen Rahmen meiner Meinung nach auch noch nicht gesprengt. Aber ich will an dieser Stelle vom eigentlichen Thema etwas weg gehen und ein Argument diskutieren was in letzter Zeit immer wieder durch das Netz geistert: »Bei den Mohammed-Karikaturen haben alle gesagt, das fällt unter die Freiheit der Kunst!«

Zum einen ist dieses Argument mit Vorsicht zu genießen. Man kann damit zwar die vermeintlichen Doppelzüngigkeit einiger Diskutanten belegen, aber für die eigentliche Frage was Satire darf und was nicht ist es natürlich kein Argument zu sagen »Damals haben wir das auch so gemacht«. Ich möchte die These deswegen gerne umformulieren: »Wenn wir die Mohammed-Karikaturen unter die Freiheit der Kunst stellen, dann müssen wir auch das Titanic-Cover genauso behandeln.« Diese These möchte ich hier widerlegen.

Eine der Mohammed-Karikaturen, die 2005/2006 für Ausschreitungen sorgten.

Bei den Mohammed-Karikaturen war die Kritik, dass sie die religiösen Gefühle der Muslime verletzen, unter anderem, weil sie das Verbot der Abbildung des Propheten Mohammed in menschlicher Gestalt, verletzten. Neben der Tatsache, dass die Situation weit über alle Verhältnisse hinaus eskalierte, war der Diskurs also über die Abwägung der Kunstfreiheit gegen die Religionsfreiheit und der damit verbunden Persönlichkeitsrechte der – nicht abgebildeten – Gläubigen.

Sowohl der Streit um die Karikaturen von damals als auch der aktuelle Diskurs über das Titanic-Cover haben etwas gemeinsam: Hier habe die Zeitungen Grenzen ausgetestet. Aber es gibt zwischen den beiden Fällen einen  entscheidenden Unterschied. Zwar handelt es sich bei Mohammed um eine historische Person, aber er wird hier nicht als der Mensch Mohammed dargestellt, sondern als Religionsstifter des Islam um im wesentlichen Kritik am eher abstrakten Begriff des Islam zu äußern. Vergleichbar wäre dies eher damit, wenn die Titanic eine Jesus-Karikatur auf dem Titel hätte.

Der Papst hingegen ist ein lebender Mensch und obendrein deutscher Staatsbürger. Man muss mit ihm nicht einverstanden sein, man kann ihn lieben oder hassen, all das ändert nichts daran, dass das Grundgesetz ihm die gleichen Grundrechte zugesteht wie allen anderen Bürgern auch. Wir sehen den Papst auf dem Titanic-Cover so wie er aussieht, den Menschen Joseph Ratzinger, in einer doch recht eindeutigen Fotomontage. Und die Frage ist nun, ob dies seine Menschenwürde verletzt. Wenn wir hier einen Vergleich ziehen wollen, müssen wir uns fragen, ob wir ein solches Bild auch bei einem anderen Menschen des öffentlichen Interesses akzeptiert hätten. Wäre der Maulwurf nicht im Vatikan gewesen, sondern im Kanzleramt, wäre es in Ordnung gewesen Angela Merkel mit Fäkelspuren auf dem Hosenanzug zu zeigen? Oder wenn es um die Piraten ginge, hätten wir ein solches Bild von Bernd Schlömer hingenommen?

Versteht mich bitte nicht falsch: Man kann all diese Fragen durchaus mit ja beantworten (ich persönlich tue das), man muss es aber nicht, deswegen diskutieren wir darüber. Aber der Vergleich mit den Mohammed-Karikaturen hinkt einfach gewaltig. Nur weil der Papst ein kirchlicher Würdenträger ist, wird er nicht zu einem abstrakten Prinzip, für den Menschenwürde und Persönlichkeitsrechte nicht mehr gelten. Ich bitte dies im weiteren Diskurs zu beachten.