Spiegel Online hat zehn Menschen gefragt, wie man die Piratenpartei aus der Krise führt. Mal ehrlich, hätte mir 2009 oder noch früher jemand gesagt, dass Umfrageergebnisse von 5% und drüber eine Krise bei den Piraten sind, ich wäre in schallendes Gelächter ausgebrochen. Auch lädt die Tatsache, dass die FDP in allen jüngsten Umfragen immer noch hinter den Piraten liegt, aber anscheinend von niemanden gerettet werden will, durchaus zum Schmunzeln ein. Ich halte den Abgesang auf die Piraten noch immer für zu früh. Nichts desto trotz ist es nie schlecht, wenn man lernen kann und wir sollten uns den ein oder anderen Ratschlag durchaus zu Herzen nehmen. Deswegen hier noch einmal die zehn Ratschläge in der Einzelkritik.

1. Manfred Güllner, Wahlforscher: „Köpfe statt Themen“

»Endlose Programmdebatten locken kurzfristig niemanden an die Wahlurne.« An dieser Aussage ist durchaus was dran. Wir alle wünschen uns eine Politik, in der Personen unbedeutend sind, aber leider lässt sich das nur langfristig ändern. Kurzfristig ist das Personal sicher ein entscheidender Faktor, denn was nützt das beste Programm, wenn man niemanden hat, der er es erklären kann und dem die Leute auch zuhören wollen? Dennoch bleibt es dabei, dass wir keine Guttenbergs wollen, die ihre fehlenden politischen Ziele mit Personenkult übertünchen wollen. Deswegen muss die Losung jetzt lauten: »Themen und Köpfe«

2. Juli Zeh, Schriftstellerin: „Vertraut eurem Vorstand“

Juli Zeh ist schon lange aktive Bürgerrechtlerin und wahrscheinlich eine derjenigen, der ich das »im Herzen war ich schon immer Pirat« sofort abkaufen würde (trotz etwas konservativer Haltung zum Urheberrecht). Ihr Rat ist mir persönlich schon deshalb sehr viel wert. Sie beschreibt sehr gut, dass wir ein Problem damit haben unserem Vorstandspersonal Vertrauen entgegen zu bringen. Bis auf Marina Weisband gab es wohl keinen Vorstand, der sich nicht stets der schwelenden Grundskepsis erwehren musste. Wir alle sollten unseren Vorständen etwas mehr unter die Arme greifen, auch wenn man einen bestimmten jetzt vielleicht selbst nicht gewählt hat. Wichtig ist, dass man dabei Vertrauen nicht mit Kritiklosigkeit verwechselt.

3. Hans Herbert von Arnim, Politologe: „Bleibt Protestpartei“

Von Arnim bekommt auch schon mal die Bezeichnung »Parteienkritiker« verpasst. Dahingehend ist sein Rat wohl nicht verwunderlich. Dennoch hat er mit seiner Einlassung recht, dass es jemanden geben muss, der in der Politik den Finger in die Wunde legt. Das war bisher die Piratenpartei und das müssen wir auch beibehalten. Der Begriff »Protestpartei« ist allerdings negativ konnotiert, weil er auch aussagt, wir hätten keine Inhalte. Und wenn es eins bei den Piraten zur genüge gibt, dann sind es Inhalte.

4. Kathrin Passig, Schriftstellerin: „Das müsst ihr aushalten“

Das sind wahre Worte. Dass an unseren Forderungen – nicht nur im Bereich der Transparenz, sondern auch bei Bürgerrechten – viel Kritik kommt, war von vornherein klar. Diese Kritik müssen wir aushalten ohne dabei beratungsresistent zu werden. Soweit bin ich mit Kathrin (Piraten werden geduzt) d’accord. Kathrins Bemerkungen zu Liquid Feedback sind genau eine solche Kritik.

5. Sascha Lobo, Blogger und Journalist: „Mehr soziale Kompetenz“

Diese Ratschläge kann man kurz abarbeiten. Weniger Shitstorm ist eine Sache, der wir uns derzeit alle gegenseitig predigen. Nicht auf Netzthemen konzentrieren? Nun sein wir mal ehrlich, dass machen wir nicht mehr, der Zug ist abgefahren. Den Fokus auf die Nähe zum Bürger rücken ist sicher auch nicht verkehrt. Ab und an mal »gezielt die Schnauze zu halten« ist wiederum ein Allgemeinplatz, ein Rat dem man eigentlich jedem geben kann.

6. Matthias Machnig, SPD-Landesminister: „Nicht antreten“

roflcopter, gtfo!

7. Michael Spreng, Publizist: „Schlömer ist eine Fehlbesetzung“

Ich nehme mal den Rat von Juli Zeh zu Herzen und werde die Einlassung zu den einzelnen Personalien nicht kommentieren. Der Rat Sprechfähigkeit zu aktuellen Themen herzustellen ist aber sicher nicht verkehrt. Wir müssen uns wohl irgendwann mal über das »wie« einig werden.

8. Feridun Zaimoglu, Schriftsteller: „Vernunft und Menschenverstand“

Vernunft und Menschenverstand spricht uns Zaimoglu hier ab, was ich ehrlich gesagt schon etwas anmaßend finde. Das Ganze ist kein Rat, es ist eine reaktionäre Bemerkung zu unserer Urheberrechtspolitik. Schade, dass der gute Mann für unsere Ideen nicht offen ist, aber ich nehm es hier mit dem Rat von Kathrin Passig: das müssen wir aushalten.

9. Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste: „Seid bescheiden“

Den Vorwurf an unseren eigenen Ansprüchen zu scheitern, will ich mir ehrlich gesagt nicht aufbinden lassen. Die Tatsache, dass die Presse über jeden kleinen Konflikt innerhalb der Piratenpartei berichten kann, ist nicht mehr und nicht weniger als unserer eigenen Transparenz zu verdanken. Dennoch ist sicher etwas dran, etwas bescheidener zu sein und nicht sofort das Blaue vom Himmel zu versprechen. Aber man muss seine Erfolge hier nicht in den Schatten stellen. Wir sind beim Thema Mitbestimmung sicher auch noch nicht im Optimalzustand, aber wir sind weiter als alle andern Parteien.

10. Constanze Kurz, Informatikerin: „Mehr Vision, mehr Haltung“

Constanze sagt, dass viele gute Ideen bei uns an den Egos der Beteiligten scheitern. Das liegt sicher auch daran, dass sowohl Kritik als auch Gegenkritik bei uns gerne auf die persönliche Ebene gehoben wird. Jemand der eine Idee hat, muss sich dafür manchmal beleidigen lassen, aber auch nehmen viele es gleich persönlich, wenn jemand gegen ihre Ideen ist. Auch hier können wir uns alle nur mehr Sachdebatte wünschen. Mit dem Rat die Expertise in unseren Kernthemen auszubauen, rennt Constanze bei mir wie immer offene Türen ein.